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glanz & gloria

27.2.2013 13:08

 

The devil wears...

Was die Stars tragen wird zigfach fotografiert, weltweit in Heftchen publiziert, von Modeblogs aufgenommen und von allen Fashionistas diskutiert. Zumindest wenn es um die Oscarroben geht... Bessere Werbung gibts nicht.

Ja, wer was trägt, ist ein Millionengeschäft! Und man weiss ja mittlerweile, dass die Prominenz der A-Klasse ihre Kleider nicht nur zur Verfügung gestellt bekommen, sondern oft auch noch in mehrstelligen Beträgen (bis zu 6 Ziffern!) dafür entlöhnt werden. Dann kommen noch die teuren Juwelen von Luxus-Schmuckunternehmen hinzu - und fertig ist nicht nur das glamouröse Outfit, sondern auch der Superdeal.

Nur ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht! Oft wissen die Modeunternehmen bis zum letzten Moment nicht, für welches Kleid sich der Star schlussendlich entscheidet. Bis zu wenigen Minuten vor seinem Auftritt auf dem roten Teppich kann sich dessen Laune noch ändern. Es ist ja schliesslich nicht so, dass er nur EIN Outfit zur Auswahl hat - viele bekommen unzählige Roben zugeschickt. Jeder Designer erhofft sich natürlich, dass das eigene Label zum Zuge kommt und er damit weltweite Anerkennung einheimst. Doch wie gesagt: Manchmal entscheidet sich der Hollywoodstar ganz einfach anders als abgemacht. So geschehen bei der diesjährigen Oscarverleihung.

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(Quelle: Reuters)

Anne Hathaway, eine loyale Supporterin des Designers Valentino, sollte eigentlich eine seiner Robe tragen auf dem wichtigsten roten Teppich vor dem Dolby Theater. Sie trug dann schlussendlich aber nicht Valentino, sondern Prada, wie sich herausstellte. Nur blöd, dass ihre Stylistin (die legendäre Rachel Zoe) es versäumt hatte, das dem Modehaus auch mitzuteilen. Valentino schickte jedenfalls kurz vor dem Auftritt der Schauspielerin eine Pressemitteilung heraus, in der die ganze Welt informiert wurde, welches gute Teil Miss Hathaway zu den Oscars tragen werde. Diese war mittlerweile bei der Verleihung eingetroffen, in einem offensichtlich anderen Kleid. Es herrschte kurzzeitig Konfusion, bis sämtliche Journalisten und Fotografen dann informiert waren, welchen Designer Hathaway nun tatsächlich trug!

Damit war die Sache aber noch nicht gegessen. Valentino war natürlich zu Tode beleidigt, und Anne Hathaway gab am Tag darauf sofort eine Entschuldigung via Pressesprecher heraus. Sie habe gehört, dass jemand anderes ebenfalls Valentino zu den Oscars tragen werde, und das Kleid solle dem ihrigen relativ ähnlich sehen. Deswegen habe sie sich in der letzten Minute doch noch umentschieden... Aha. Die «andere» Oscargängerin, die Valentino getragen hatte, war die Schauspielerin Jennifer Aniston. Und zwar eine wallende, grosse Corsagenrobe in Feuerrot. Nicht ganz Anne Hathaways Ding, oder...

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(Quelle: Reuters)

Jetzt kann man sich fragen, ob Fräulein Hathaways Geschichte wohl stimmt. Oder ob Prada einfach besser gezahlt hat...











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25.2.2013 15:19

 

Der Countdown

Das hier ist er also: der begehrte Badge für den Auftritt auf dem roten Teppich bei den Oscars...

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Wobei - wer genau hinschaut, entlarvt den Schummel schnell: Dieser Presseausweis ist zwar am Tag der Oscar-Verleihung gültig, allerdings nur von acht bis elf Uhr. Dann werden wir Journalisten rücksichtslos ab dem roten Teppich geworfen. Was bis dahin nicht gedreht und im Kasten ist, muss bis zum nächsten Jahr warten, denn die Securities verstehen in dieser Hinsicht überhaupt keinen Spass. Aber halt - ich beginne von vorne.



Einen Presseausweis zu bekommen, ist bei den Oscars nicht ganz einfach. Schon Wochen vorher muss man sich akkreditieren, haufenweise Unterlagen ausfüllen und darf nicht mal bei seinem zweiten Namen schummeln. Dann muss man das Ding fristgerecht am richtigen Ort persönlich abholen und durchläuft dabei einem Sicherheitscheck. Man wird fotografiert, an drei verschiedene Schalter verwiesen, um irgendetwas auszufüllen und dann wieder abzugeben, und erst dann ist man im Besitz dieses wertvollen Plastikkärtchens, das einem Zutritt zum roten Teppich verschafft. Damit ist man aber erst auf halber Strecke angekommen. Am Tag der Oscars stöckelt man - bzw. ich; mein Kameramann und mein Produzent schlurfen gemütlich in Turnschuhen neben mir her, aber Turnschuhe und Abendkleid ist irgendwie keine gute Kombination - zum Ort des Geschehens, der grossräumig abgesperrt ist. Laufen ist also Pflicht, nix mit Limousinen-Shuttle und so... Einmal angekommen wird man am Sicherheits-Checkpoint schon wieder durchleuchtet (ob die ganze Strahlentherapie wohl gesundheitsschädigend ist?) und ab diesem Punkt dann gefühlt alle zwei Minuten angehauen, man solle seinen Badge bitte offensichtlicher tragen (sorry, aber ich papp mir das Ding bei aller Liebe echt nicht auf die Stirn!). Und dann gehts los: Auf dem roten Teppich wimmelt es von Journalisten, Redaktoren, Fotografen, Kamerateams und Produzenten aus aller Welt. Moderatorinnen in Abendkleidern hetzen von einem Goldmännchen zum nächsten auf der Suche nach der perfekten Einstellung, und Moderatoren in Smokings stehen sich gegenseitig auf den Füssen herum, um im Gerangel den besten Platz zu ergattern. Kaum hat man sich für einen Ort entschieden und fängt an zu drehen, läuft einem garantiert ein anderes Kamerateam oder ein Security-Mann durchs Bild. Ja, die Voraussetzungen sind nicht ganz einfach, es kommt einem ein bisschen vor wie bei einem Dschungelcamp für People-Redakteure. 



Alles in allem ist die Zeit von acht bis elf am Tag der Oscars aber grosses Kino. Was man da an schrägen Figuren zu sehen bekommt, ist unglaublich. Jeder ist ein kleiner Star. Ob die zwei Meter grosse russische Moderatorin (es war doch eine Frau, oder?), die einen so ultrakurzen Mini trug, dass man die Farbe ihrer Unterhose erkannte, oder der koreanische Live-Übermittler, der mir sicher fünf Mal ins Bild lief (er war zwar so klein, dass man ihn im Bild kaum sah, aber da ich bei der Moderation einen Gang hätte machen sollen, war es doch milde gesagt etwas «störend»), oder die Sicherheits-Tante, die unseren Kameramann mehrmals zusammenstauchte, weil der aus Versehen eine Kordel berührte, die sich wohlgemerkt in der Mitte des Teppichs befand. Die Kordel war wohl schon für den Abend bereitgestellt (ab 16 Uhr ist der Teppich dann für die Stars geöffnet), aber findet ihr nicht auch, dass man sie dann besser hätte platzieren müssen, wenn sie schon so wahnsinnig wichtig ist?


Foto_oscars_2.JPG


Wie auch immer: Herzflattern bekommt man jedenfalls dann, wenn plötzlich der Lautsprecher ertönt: «to all teams with the black badge: you've got 15 minutes. 15 minutes to go!» Das bedeutet nämlich, dass man genau in 15 Minuten hochkantig vom roten Teppich geschmissen wird. Was man bis dann nicht im Kasten hat, hat man nicht. Und dann geht das Getümmel natürlich erst richtig los. Jeder muss noch eine letzte Moderation drehen, eine Verabschiedung oder was sonst noch vergessen wurde, und die Zeit läuft einem erbarmungslos davon... Hektik bricht aus. «10 minutes to go» rauscht es laut über den Teppich. Die ersten Teams beginnen bereits zusammenzupacken. Die Securities werden nervös, es kommen immer mehr schwarz Uniformierte, die langsam, aber stetig den Teppich «von hinten aufrollen», sprich: uns Richtung Ausgang scheuchen, der wie ein Nadelöhr am oberen Ende des Teppichs lauert. «5 minutes - all teams please leave the red carpet», wer jetzt noch nicht alles gedreht hat, ist geliefert. Mit notfalls etwas Körpereinsatz wird der Teppich geräumt. Fertig, Schluss, Aus. Widerspruch zwecklos, der Countdown ist beendet. Und so strömen die letzten paar Journalisten leicht frustriert vom wohl glamourösesten Teppich der Welt...



Tja, ob es meinem Team und mir heute gereicht hat, seht ihr heute Abend in unserer Spezialsendung direkt vom roten Teppich vor dem Dolby Theater! Lasst die grosse Oscar-Sause mit uns nochmals Revue passieren. Ich freu mich auf euch...




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24.2.2013 17:29

 

Das Gespräch

Vorschaubild für Anina_Jack.JPG

«No!»

«Yes, I swear!»

«No way, Jack. I really don't believe you...»

«Then don't - but it's true.»

 

So hätte die Konversation, die ich mit Jack Nicholson führte, verlaufen können. Er hätte mir mit verschmitztem Lächeln und glänzenden Äuglein erzählen können, wie er am Tag zuvor im «All organic»-Supermarkt eine Frau zu Tode erschreckt hatte, in dem er sich hinter einem Gestell mit Schokocrackern versteckt hielt, um dann abrupt mit einem manischen Grinsen hervorzuspringen und in bester «Shining»-Manier mit pseudo-blutverschmierter Axt vor ihrem Gesicht herumzufuchteln... Nur so, aus Spass an der Freude und für eine neue Folge von «punk'd», der amerikanischen Version von «Verstehen Sie Spass?».

 

Sie hätte sich aber auch dahin entwickeln können, dass er mir unter vier Augen anvertraut, wie wahnsinnig langweilig diese jährlichen Oscar-Verleihungen wirklich sind, und wie öde die anschliessenden Abendessen beim sogenannten «Governor's Ball». Wie er deshalb extra denjenigen Damen, die beim Gang über den roten Teppich auf lange Roben gesetzt hatten, auf ihre Schleppe getreten war, um den Ladies dann dank dem ruckartigen Stopp ein peinliches Foto zu bescheren. Wie er während der Verleihung aus den Einladungskärtchen Papierflugzeuge gebastelt hatte, diese dann fliegen liess, und prompt eines davon in Hillary Swanks Ausschnitt landete, was diese mit bitterbösen Blicken kommentierte. Wie er dann auf dem «Governor's Ball» sämtliche Salzstreuer mit Zucker ausgewechselt hatte und vor lauter Langeweile so viel getrunken hatte, dass ihn sein Manager am Ende des Abends nach Hause tragen musste.

 

Die Unterhaltung hätte so weiterverlaufen können, dass er vor mir prahlte, dass ihm daraufhin ein lebenslanges «Oscarverbot» auferlegt wurde, was bedeutete, dass er sogar trotz einer allfälligen Nominierung das Dolby Theater nie mehr betreten durfte. Und dass er von der Academy zusätzlich eine persönliche Verwarnung mit Totenkopfsiegel zugeschickt bekommen hatte - fast schon ein Ritterschlag der Verbannung!

 

Sie hätte sogar soweit gehen können, dass er mir anschliessend von den psychischen Problemen erzählte, die ihn auf diese Geschichte hin heimsuchten. Von den zittrigen Händen, dem Herzflattern, den Albträumen und den immer wiederkehrenden Schlafwandel-Anfällen, bei denen er sich in fremde Häuser schlich und Haustiere mopste. Und von der bodenlosen Scham am nächsten Tag beim Aufwachen, jeweils von fremden Hamstern und Meerschweinchen umgeben zu sein, ohne die leiseste Ahnung zu haben, wie diese dahin gekommen sind...

 

Ja, so hätte die Konversation, die ich mit Jack Nicholson führte, verlaufen können. Ist sie aber nicht. Der gute Jack auf diesem Bild ist nämlich aus Wachs und alles andere als kommunikativ.

 

Und er war auch nicht mein einziger stiller Konversationspartner: Im sogenannten «Oscar-Raum» des Wachsmuseums Madame Tussauds auf dem Hollywood Walk of Fame in Los Angeles standen sich noch Nicole Kidman, Halle Berry und Morgan Freeman die Wachsbeine in den Bauch. Am echtesten sah dabei Morgan Freeman aus. Ich musste zweimal hinschauen, um den Betrug zu entlarven. Auf den ersten Blick bin ich so erschrocken, dass ich zuerst dachte: «Was macht DER denn hier?» Ich stellte die Frage dann nicht, ich hatte nach Mister Nicholson genug von einseitigen Gesprächen...

 

Am Ausgang begrüsste mich - oder besser gesagt: verabschiedete mich - dann noch diese Lady hier, die leider nicht mehr unter uns weilt:

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Ja, und wenn ihr jetzt wissen wollt, weswegen ich euch von einer Konversation erzähle, die nie stattgefunden hat, und was ich überhaupt in dem Wachsmuseum verloren habe, dann müsst ihr euch heute Abend ganz einfach unsere «g&g weekend»-Spezialsendung zu Gemüte führen! Direkt aus Hollywood stimmen wir euch auf die 85. Oscar-Verleihung ein, die in der Nacht von heute auf morgen stattfindet. Kommt mit auf unseren Rundgang quer durch Hollywood mit Schweizern auf Erfolgskurs, Oscar-Favoriten und Morgan Freeman, wie er wachst und lebt! Heute um 18.50 auf SRF1.



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12.2.2013 13:00

 

Gespenstisch....

Glaubt ihr an Geister? An diese hüllenlosen Geschöpfe, irgendwo gefangen zwischen dem Jetzt und dem Jenseits, die auf ihrer Suche nach Erlösung immer wieder mal unsere Wege kreuzen sollen? Ich auch nicht. Jedenfalls bis jetzt...

Als Kind aus einer Medizinerfamilie bin ich mit der Überzeugung aufgewachsen, dass alles eine logische Erklärung hat. Ich glaube an die Gesetze der Natur, an die Wirkung von Medikamenten und an logische Schlussfolgerungen. Man muss mir also nicht mit Kräuterteemischungen gegen lebensbedrohliche Krankheiten kommen, oder mit Wischiwaschi-Erzählungen von Rückführungen oder übersinnlichen Heilkräften. Das mag für Andere stimmen, für mich nicht. Dass aber auch ich in meiner geistlichen Ungläubigkeit plötzlich daran denken könnte, dass es spukt, hat sogar mich selber erschreckt.

Geschehen ist es an einem ganz normalen Mittwochabend, an dem ich für eine anstehende Arbeitsreise packen musste. Wie immer war ich erst sehr spät nach Hause gekommen und es war bereits düster. Da ich kein Freund der Dunkelheit bin, habe ich die Angewohnheit, sämtliche verfügbaren Lichtquellen einzuschalten, um meine Stimmung zu erhellen. Nicht gerade stromsparend, aber in dem Moment ist mir das Wurscht. Ich mag's nicht dunkel. Einmal hell darf dann auch gerne etwas Musik im Hintergrund laufen, ich mag nämlich auch keine Totenstille. Da mein Handy gerade verschwunden schien, schaltete ich ersatzweise leise den Fernseher an. Dann machte ich mich ans Packen.

Im oberen Stock legte ich systematisch meine Outfits für die nächsten Tage zurecht, ohne dabei gross auf die leise murmelnden Fernsehgeräusche zu achten. Ich hatte irgendeine Tiersendung erwischt, und es mischte sich unter die begleitende klassische Musik auch immer wieder eine tiefe Männerstimme. Es hörte sich angenehm an, und ich vergass die Geräuschquelle mit der Zeit komplett. Nach einer halben Stunde eifrigen Packens fiel mir aber plötzlich auf, dass es auffallend ruhig geworden war in unserem Häuschen... Beunruhigend ruhig!
Ich hörte keinen einzigen Ton mehr vom unteren Stock - es war völlig still. Ich machte das, was in dem Moment am wenigstens Sinn machte: «Hallo?!?», rief ich leise. Und dann etwas lauter «Hallo, ist da wer?!?». Obwohl ich wusste, wie unglaublich absurd diese Frage war, konnte ich sie mir nicht verkneifen. Meine Gedanken überschlugen sich: War etwa ein Einbrecher im Haus? Ja genau, und der hat dann wohl als Erstes netterweise gleich den Fernseher ausgeschaltet, um sich ja bemerkbar zu machen, oder was? Vielleicht doch ein Geist? Spukts  bei uns etwa? Ist vielleicht jemand vor unserem Einzug hier gestorben, oder noch schlimmer, brutalstens ermordet worden, dessen Geist nun Vergeltung sucht?
Nein, rief ich mir selber in Erinnerung, ich glaube nicht an Geister!!! Also wagte ich mich todesmutig die Treppe runter Richtung offenes Wohnzimmer/Küche. Da schnappte ich mir ein Küchenmesser (echt wahr, ich verkohle euch nicht!) und schlich zum Fernseher. Ihr hättet das sehen sollen, es sah wahrscheinlich zum Schreien aus. Und genauso war mir unterdessen auch zu Mute, allerdings nicht der Komik wegen, sondern weil ich Schiss hatte. Und tatsächlich: Der Fernseher war aus! Einfach ausgeschaltet - obwohl ich weder die Fernbedienung berührt hatte, noch ein Timer zum automatischen Ausschalten installiert war. Das Gerät hatte sich einfach von selbst wie von Geisterhand abgeschaltet. Spooky......Very spooky.

Erklärungen gibt es dafür sicher viele: elektronische Schwingungen, automatische Mechanismen und was ich im Nachhinein sonst noch so alles im Internet darüber lesen konnte. Aber der fahle Beigeschmack blieb. Mir ist bis jetzt noch nie in meinem Leben etwas Ähnliches passiert, und ich kenne auch niemanden, der von einer solchen Geschichte erzählen könnte. Es ist und bleibt mir ein gespenstisches Rätsel, das sich nicht wirklich zufriedenstellend erklären lässt... An diesem Abend jedenfalls brachte mich keine logische Schlussfolgerung dazu, das Haus NICHT vom Keller bis zum Dach komplett zu durchsuchen - just in case.



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8.2.2013 12:15

 

Zum Mitnehmen?

spruch.jpg

 Gestern Morgen früh an einer Take-Away-Theke:

"Guten Tag, was hätten Sie gerne?"

"Grüezi! Den Pouletsalat, ein Vollkornbrötli und einmal Edamame, bitte."

"Zu Mitnehmen?"  

"Ja gerne."

So einfach, so simpel. Normalerweise bekommt man kurz darauf einen Preis genannt, ein Plastiksäckli mit den "Goodies" gereicht, und macht sich dann mit grummelndem Magen wieder vom Acker.

Aber der Spruch auf dem Foto hat durchaus seine Berechtigung. Denn gestern wurde auf der einen Seite der Theke, die nicht die meinige war, der für das logische Mitdenken zuständige Teil des Grosshirns auf Durchzug gestellt. Nach der berechtigten Frage, ob das das ganze Take-Away sei verpackte sie das Ganze, reichte mir das Säckli und wollte sich schon dem nächsten Kunden zuwenden. Nur hatte sie vergessen mir etwas mitzugeben, womit ich mein Zmittag auch essen konnte! Ich fragte nett nach Besteck. Irritiert ab diesem zweifelhaften Wunsch, streckte sie mir einen Plastiklöffel entgegen. «Ich hätte lieber eine Gabel», war meine nun ebenfalls irritierte Antwort. Ich hatte ja kein Birchermüsli bestellt! Erstaunt, dass ich meinen Pouletsalat nicht per Löffel in mich reinschaufeln möchte, händigte sie mir eine Gabel. Jetzt fehlte ja nur noch die Serviette... Ich erkundigte mich nach einer selbigen, und wurde mit einer unwirschen Handbewegung belohnt. Ich dachte schon, sie wolle mir das Ding auch noch verrechnen als die Dame erneut zum Reden ansetzte, aber sie sagte nur «bitte». Ich bedankte mich, und wollte schon gehen, als mir plötzlich einfiel, dass sie mich gar nicht nach dem Salatdressing gefragt hatte. Ich kehrte auf dem Absatz, und erkundigte mich nach der verschollenen Sosse. Eine italienische Version ausgehändigt, fühlte ich mich nun einigermassen vollständig, und wollte gehen, da rief sie mir nach «Sie haben ihr Brötchen nicht bezahlt!». Entschuldigung, bitte, was? Ich habe einfach das bezahlt, was mir verrechnet wurde, ohne die Quittung genau zu überprüfen. Das mache ich höchstens im Restaurant, nicht bei drei kleinen Sachen im Take-Away. Und wieso hat die Lady nicht alles auf's Mal verrechnet? Und wieso fiel es ihr gerade jetzt ein, nachdem ich vorher schon fast gegangen wäre? Richtig, sie hat es vergessen.... Ich rückte also etwas peinlich berührt die kriminell geschuldeten 1 Franken 50 raus, und hoffte dabei, es wäre das Ende der Geschichte.

Das war es dann eigentlich auch. Ich schnappte mir den Sack, ging zurück zur Arbeit und stellte kurze Zeit später fest, dass meine Portion Edamame nicht mitgereist waren. Die Verkäuferin der Marke «vergesslich» hatte sie nicht eingepackt. Dafür natürlich, wie ich genervt bemerkte, als ich (diesmal ganz bewusst) die ominöse Rechnung wieder hervorkramte, trotzdem verrechnet. Wie nett. Aber Hauptsache ich hatte ihr das Brötchen (das tatsächlich nicht auf der Quittung aufgeführt war) vergütet.



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5.2.2013 12:20

 

Shake it Baby!

Es windet. Und das ziemlich stark. Ich habe bereits gestern Abend die ersten Vorboten dieses luftigen Vergnügens erfahren dürfen. Und ich hätte gut darauf verzichten können.

Auf dem Heimflug von Düsseldorf schüttete ich mir zuerst den Tomatensaft über meine hellgraue Kaschmirjacke, knallte dann mit dem Kopf bei einem ungünstig getimten Luftloch gegen meinen heruntergeklappten Tisch (auf der Suche nach einer Ablenkung in meiner zuvor brav unter dem Vordersitz verstauten Handtasche) und machte mir währenddessen auch noch fast in die Hose. Ich musste so dringend aufs Klo, dass ich dabei fast vergass mich zu Tode zu ängstigen, da der Flieger am Himmel wie ein «Spielzeugflugi» in Kinderhänden wackelte. Nur konnte ich nicht aufstehen! Erstens, weil wegen den Turbulenzen niemand mehr aufstehen durfte und zweitens, weil die Dame neben mir gerade ihr Kind stillte. Ich darf dabei anmerken, dass die schmatzende Geräuschkulisse, die das Kleinkind dabei erzeugte, nicht gerade hilfreich für meinen Harndrang war. Aber mittlerweile schüttelte es so heftig, dass der Klo-Gedanke zweitrangig wurde. Das Kind hatte fertig gegessen und starrte mich in der Überzeugung an, ich sei das Merkwürdigste, das ihm je in die Quere gekommen war. So fühlte sich der fixierende Blick zumindest an. Immerhin war der Kleine satt und zufrieden, währendem ich mich fühlte, als ob ein Barkeeper gerade seinen ersten «Sex on the Beach» mit unserer Maschine als Mixerersatz übte... Zudem wusste ich nicht genau, wohin ich mein Blickfeld richten sollte: nach links, in das stürmende schwarze Nichts oder nach rechts, auf die noch immer entblösste Brust der Mutter. Ich einigte mich auf  die goldene Mitte - der kleine Fratz, der mich immer noch stoisch anstarrte.

Ich würde mich als «kinderfreundlich» beschreiben, nicht als «kinderlieb». Das lässt sich ganz einfach dadurch feststellen, dass man mir nur eines der Gattung «prä-pubertär» in die Arme drücken muss und ich bringe es sofort zum Weinen. Ungewollt natürlich, aber ich scheine diese gewisse «Babygabe» nicht oder zumindest noch nicht zu besitzen. Ich habe eine Heidenangst, sie fallen zu lassen und sie haben bei mir einfach nur Angst.
Aber zurück zum «Shaker-Flug»: Ich war mittlerweile so durchgeschüttelt, dass ich in blinder Angst nach jedem Strohhalm in Sachen Ablenkung griff, so dass ich sogar freiwillig anfing, mit meinem kleinen Sitznachbarn das viel gesehene «Augenspiel» zu spielen. Das heisst: Brauen hochziehen, komische Geräusche von sich geben, «jädädudu» hauchen etc. Der Schuss ging prompt nach hinten los und der Kleine erschreckte sich ab meiner Gesichtsgymnastik dermassen, dass er umgehend anfing, wie ein Schlosshund zu heulen. Die Mutter verpackte sich wieder, warf mir einen bitterbösen Blick zu und beschäftigte sich mit Trösten.

Mir blieb leider gar keine Zeit mehr, mich zu entschuldigen - es gab es einen sehr heftigen Ruck und das Flugzeug setzte (oder besser gesagt: prallte) unter Ächzen und Stöhnen auf der Landebahn auf. Geschafft. Vor lauter Kind hatte ich sogar das ganze Hin- und Hergeschüttle vergessen, das einen Barkeeper direkt neidisch gemacht hätte! Ich bin, glaub in meinem ganzen Leben, noch nie so froh gewesen, den Sitzplatz neben einem Kleinkind erwischt zu haben...



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29.1.2013 13:19

 

we're glad, you're here!

Eine kleine Anekdote:

Erinnert Ihr euch noch an den Blog, den ich mal bezüglich der langsam dahin serbelnden Gastfreundschaft in unseren heimischen Restaurants geschrieben habe? Dass man mittlerweile mit einem vorwurfsvollen «Händ Sie reserviert?!?» empfangen wird, anstatt einem gastfreundschaftlichen «Guete n'Abig - härzlich willkomme!». Dass man in vielen Lokalen schräg angeschaut wird, wenn man sich bei kleinem Hüngerchen mal ausnahmsweise die Vorspeise teilt und eine hochgezogene Augenbraue kassiert, sollte man den Wein nur glasweise bestellen?

Tja. An meiner Beobachtung hat sich bis jetzt noch nichts geändert. Ich schaue dieser Entwicklung weiterhin ziemlich niedergeschlagen zu. Natürlich nicht ohne mich auch immer wieder vom Gegenteil überzeugen zu können. Viele Restaurants sind tatsächlich noch richtige «Gaststätten», wo der Kunde König ist und der Service herzlich. Aber der Trend in die gegenteilige Richtung ist nicht zu übersehen. Leider.

Wie wurde mir da wieder warm ums Herz, als mir dieses Wochenende ein Getränkeuntersatz in die Hände fiel, den ich bei meinem letzten Urlaub in Miami über Weihnachten habe mitlaufen lassen. Für manche mag der Slogan «cheesy» klingen. Nicht für mich: «I love it!»


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In Amerika wird man in fast jedem Restaurant mit offenen Armen empfangen. Die Kellner geben sich Mühe, weil sie den Löwenanteil ihres Lohnes durch das Trinkgeld kassieren und man hat das Gefühl, da arbeiten noch Menschen, weil sie wirklich arbeiten wollen. Freundlich und hilfsbereit, ohne dass einem das Gefühl beschleicht, sie wollen einem nur an's Portemonnaie. Anders als vielerorts in der Schweiz, wo ich manchmal den Eindruck bekomme, man gibt uns Gästen die Schuld an der eigenen Jobwahl. Wehe den fordernden Gast, der auch noch bedient werden will!

Wie auch immer, folgender Getränkeuntersatz, der mir gleich beim ersten Restaurantbesuch entgegengelacht hat, hat mich erneut in meinem Gefühl bestärkt. Ist es nicht schön, so empfangen zu werden? Es geht eben nichts über ehrlich gemeinte Gastfreundschaft. Oder?





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25.1.2013 14:58

 

Hinter den Kulissen des WEFs

Hermetisch abgeriegelt, rund um die Uhr kontrolliert und per Sniper-Schützen bewacht, verwandelt sich Davos während dem Weltwirtschaftsforum jedes Jahr in eine Festung der Wirtschaftselite. Politiker, Wirtschaftsgrössen und Unternehmer lassen sich tageweise kurz im Kongresszentrum blicken, um wichtige Kontakte zu knüpfen - Networking ist alles, Namedropping ein Muss. Hunderte Journalisten wuseln im kleinen Bündner Städtchen umher, mit Badges und Akkreditierungen bewaffnet, immer auf der Suche nach DEM Politiker oder DER Aussage, die ihnen auf der heimischen Redaktion eifriges Schulternklopfen einbringen könnte.

Spannend sind dabei aber vor allem die Szenarien hinter den Kulissen. Der Kleiderstrip bei den Security Guards, interne Gespräche der Journalisten auf den Toi-Toi-Toiletten oder die Kampfansagen aller an die klirrende Kälte. Was mir dieses Jahr zudem besonders aufgefallen ist, sind die vielen netten Sicherheits- und Polizeiangestellten. Jeder gibt bereitwillig Auskunft, und auch wenn man zwangsweise gefühlte 100 Mal am Tag wegen irgendeiner «verbotenen» Handlung («Nein, Sie dürfen da nicht gehen/stehen/anhalten/essen/filmen/undwasauchimmer») ermahnt wird, geschieht dies auf äusserst freundliche Art und Weise. Unser Team war echt baff. Zudem war es wirklich saukalt, aber von schlechter Laune war nichts zu spüren! Sehr erfrischend.

Erfrischend waren auch die Bemühungen des koreanischen Filmteams, einen brauchbaren Weissabgleich für die Kamera zu filmen. Ist ja auch schwierig, mitten im Schnee eine weisse Fläche zu finden. Wir haben uns allerdings zurückgenommen. Wir wollten den beiden Damen schliesslich nicht reinreden...

 

 Foto_WEF.JPG


Seit diesem Wochenende weiss ich übrigens auch, was ein «Kuhnagel» ist. Heilandsack - ich bin ja nicht sehr schmerzempfindlich. Aber nach 40 Minuten bei minus 10 Grad und eisigem Wind in einer schattigen Gasse konnte ich mich beim anschliessenden Aufwärmen im Restaurant knapp vor einem Heulkrampf retten. Aber ich kann ja schlecht in Skihandschuhen moderieren - und so «Lümpli» geben nun mal nicht warm.

Macht mit uns einen Abstecher in die Bündner Berge! Unsere «glanz & gloria»-Spezialsendung kommt heute direkt aus Davos vom 43. WEF, um 18.50 Uhr auf SRF1!



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16.1.2013 12:54

 

Schutzsicher?

Heute wage ich mich an ein heikles Thema: Sportschutzbekleidung. Vielleicht sollte ich dazu zuerst gleich anmerken (damit mich auch ja niemand falsch versteht), dass ich generell immer für möglichst viel Schutz bin. Wenn man schnelle und gefährliche Sportarten ausübt (und dazu zähle ich nicht nur extreme Aktivitäten wie Bungeejumping oder Bodysuit-Flying, sondern auch piepnormales Rollerbladen), dann sollte man sich schützen. Kein Thema. Trotzdem bin ich in den letzten Jahren zu der Überzeugung gekommen, dass zu viel Schutz nicht immer hilfreich ist.

Ich glaube zum Beispiel dass wenn man «normal» ausgerüstet im Schnee unterwegs ist (wie das übrigens bis vor wenigen Jahren die meisten so gehandhabt haben), man viel vorsichtiger fährt als in übertriebener Sicherheits-Vollmontur. Das tönt jetzt vielleicht etwas schizophren, aber ich beobachtete in den letzten Jahren, dass Snowboarder und Skifahrer ganz «in Natur» ihre Umgebung intensiver wahrnehmen, als wenn sie mit einer Ganzkörper-Schutzbekleidung zugepappt sind. Und das aus dem ganz einfachen Grund, dass sie wegen dem Helm weniger gut hören, ein engeres Blickfeld haben, und mit Rücken- und sonstigen Schonern viel rücksichtsloser fahren, da sie sich sicherer fühlen. Die Angst sich bei einem Sturz zu verletzen ist geringer als früher, die Fahrgeschwindigkeit somit rapid gestiegen und die Rücksichtnahme auf andere Pistenverkehrsteilnehmer fast gänzlich verschwunden.

Als ich vor ungefähr fünf Jahren das erste Mal ein Snowboard bestieg und unsere Beziehung bald zu einer intensiven Hass-Liebe promovierte (wer ist schon gerne Anfänger, ich sage da nur: «die erste Talabfahrt»...), merkte ich schnell, dass nicht alle auf der Piste dieselben Sinneswahrnehmungen hatten. Während dem ich alles hörte (auch die Fahrer, die sich von hinten näherten), ein weites Blickfeld hatte, und gemütlich carvend die Piste runterkurvte, fetzten mir die anderen Fahrer von links und rechts um die Ohren - mit Helm, Schutzpanzer, Schutzbrille und wenn möglich noch integrierten Kopfhörern ausgerüstet, aus denen die Bässe noch mit 50 Meter Entfernung zu hören waren. Sie nahmen weder ihre Umgebung wahr, noch fuhren sie vorausblickend (wie man das im Strassenverkehr auch tun muss - und der Unterschied zu einer Abfahrt ist eigentlich gar nicht so gross). Hauptsache schnurgerade den Hang hinunter, möglichst schnell, als gäbe es kein Morgen - man wähnte sich ja sicher frei nach dem Motto: «Man ist ja geschützt». Dass es beim «Schutz» vielleicht nicht immer um sich selber geht, sondern auch um die anderen, scheint bei dieser Einstellung völlig verloren gegangen zu sein. Immer schneller, immer aggressiver, so nehme ich heutzutage die Fahrer auf der Piste wahr. Der übermässige Alkoholkonsum trägt dann wohl das Übrige dazu bei...

Ich weiss, es ist wie bereits gesagt ein heikles Thema. Trotzdem bin ich der Überzeugung dass die Skitouristen früher, als sie noch mehrheitlich ungeschützt unterwegs waren, sorgfältiger fuhren als heute. Und ihr könnt mir glauben, gerade als Anfänger (und dann erst noch mit dem Snowboard, wo man auf stetiges «Kürvli-fahre» angewiesen ist, da man noch nicht geradeaus fahren kann ohne zu verkanten) bekommt man dieses «Und nach mir die Sintflut»- Fahrverhalten 1A mit. Die Menschen haben schlicht weniger Respekt vor dem Skifahren, und ich finde meine These nicht abwegig, dass diese Entwicklung mit dem immer grösseren Angebot an Sportschutzartikeln zusammenhängen könnte... Ich persönlich muss einen arbeitswütigen Schutzengel haben, denn er hat mir schon mehr als einmal Kopf und Kragen gerettet und mich in letzter Sekunde vor einem fatalen Zusammenstoss mit einem schutzvermummten Pisten-D-Zug bewahrt.

Ich will damit keineswegs andeuten, dass man sich auf der Piste nicht schützen soll. Versteht mich also bitte nicht falsch. Aber ich wage zu behaupten, dass die vielen Schutzmöglichkeiten den Sportartikelhersteller wohl vollere Kassen bescheren, die Pisten aber nicht unbedingt sicherer machen.

PS. Helmtragen ist natürlich Pflicht, so wie bei unseren Skihasen! Heute um 18.40 Uhr bei glanz & gloria.



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3.1.2013 12:26

 

«Bääääääährt»

Bäääääääääääääh... Bäääähäääääähäääää... Uuääääääääähhhhh...
(Bitte einfach wahlweise nach Gefühl akustisch verfeinern oder unterminiert erweitern)

Dieser durchdringende Klang einer unermüdlich fordernden Kleinkinderstimme verfolgt mich noch immer. Dabei sitze ich nun schon seit mehreren Stunden nicht mehr im Flieger. Aber wenn man von rund 10 Stunden Flug weit mehr als die Hälfte zwangsläufig in Hörweite einer solch wunderbaren Kakophonie von Geräuschen lauschen darf, die ein quengelndes, mit nichts zur Ruhe zu bringendes Kind nun mal zu erzeugen weiss, dann kann einem das an den Rand der Verzweiflung bringen. Und gestern Nacht kam ich in diesen zweifelhaften Genuss. Ich durfte die ganze Palette des Stimmorganes eines etwas übergewichtigen, amerikanischen 4-Jährigen ergründen, dessen Mutter wohl noch keinen Ratgeber über angemessene Kindererziehung geschrieben hat. Von wegen «arme Kinder im Flugzeug» und so...

Generell bin ich sehr tolerant im Flugzeug. Wenn viele Menschen zwangsläufig auf einen begrenzten, frischluftarmen Raum gepfercht sind, bleibt einem auch nicht viel anderes übrig. Und gerade Kleinkinder, die oft auch noch mit dem Druckausgleich, Übermüdung etc. zu kämpfen haben, dürfen eine sehr hohe Akzeptanz verzeichnen. Kinder, die dagegen einfach nur mühsam quengeln, denen würde ich manchmal am liebsten gleich selber die Ohren lang ziehen. Und da lag er also - nennen wir ihn «Bert», wie in «Bäääääääährt», minus dem negativen Beigeschmack - quer über zwei Sitzplätze gefläzt und strampelte sich die nackten Füsschen wund (nackt? Klimaanlage? Ich persönlich war eingemummt bis zu den Wollsocken). Zum Glück reagierte er seine Unlust am Sitz des Vordermannes ab (ich sass Gott sei Dank hintendran) und verlangte von Minute zu Minute der Reihe nach: Sirup, Handy (!), iPod (ja, als aufgeschlossener 4-Jähriger besitzt man heutzutage beides), Süssigkeiten (der Junge IST schon übergewichtig), Mamis Arme, Papis Arme, gar keine Arme (as in: seated by himself), Schokoriegel, Teddybär, Orangensaft, Bordcomputer, und dann das ganze wieder von vorn. Ein wirklich angenehmer Zeitgenosse, der kleine Pascha, ääh Bäääääääärth... Entschuldigung «Bert».

Richtig schlimm wurde es allerdings, als die Crew die Lichter löschte, um eine Schlafatmosphäre zu kreieren. Nur hatte das «Bert» wohl niemand erklärt: Er heulte satte fünf Stunden durch mit nur kleineren Unterbrechungen, die gerade dazu reichten, der gesamten Economy-Klasse in den Reihen 12-28 etwas Hoffnung einzuflössen, um diese dann drei Minuten später wieder im Keim zu ersticken. Und ich meine nicht das herzerweichende Heulen eines gepiesackten und übermüdeten Babys, sondernd dieses ganz bewusste, tränenlose «Gebääääähe» eines Kindes, das seine Eltern gegeneinander ausspielt, und die Mutter aus lauter Gewohnheit schon gar nicht mehr hört (ein einstudiertes Team eben).

Nun gut. Nach dieser Arie aus mehreren Sätzen waren die Passagiere inklusive Besatzung am Ende mit den Nerven. Dem Kind ging es dafür beim Verlassen des Fliegers blendend, und mir klingeln immer noch die Ohren. Soviel zu einem abrupten Ferienende, das angefangen hat, bevor die Reise zu Ende war. Danke, «Bert»!




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